header
Was ist Modern Arnis?

Was ist Modern Arnis?

Arnis ist eine philippinische Kampfkunst. Vor Jahrhunderten im südostasiatischen Inselarchipel entstanden, findet sie nun auch im Westen immer mehr Anhänger. Der große Unterschied zu anderen Kampfkuns

Quelle:http://www.modern-arnis.de

Arnis ist eine philippinische Kampfkunst. Vor Jahrhunderten im südostasiatischen Inselarchipel entstanden, findet sie nun auch im Westen immer mehr Anhänger. Der große Unterschied zu anderen Kampfkunstarten ist der, dass im Arnis zum überwiegenden Teil mit Waffen und gegen Waffen gearbeitet wird. Hauptsächlich wird im Arnis der ca. 70 cm lange Stock aus Rattanholz verwendet. Mit ihm lernt man die grundlegenden Bewegungsabläufe kennen. Und wenn diese Bewegungsmuster gelernt sind, kann man sie - das ist das Besondere im Arnis - auf Gegenstände des täglichen Lebens übertragen. Kugelschreiber, Buch und Handtuch, Schuh, Gürtel oder Zeitungen sind dann in der Selbstverteidigung sinnvolle Hilfsmittel.

Arnis ist also kein Stockkampf, sondern ein viel umfassenderes System, in dem Stockkampf ein Teilbereich darstellt. Auch waffenlos funktionieren die Techniken nach den gleichen Bewegungsmustern.

Die Philippinen sind vor vielen Jahrhunderten von Seefahrern aus dem südostasiatischen Raum besiedelt worden. Diese brachten ihre heimatlichen Kriegskünste mit. Über lange Zeit entwickelte sich ein besonderer Stil, des erstes prominentes Opfer Ferdinand Magellan war.

Schon im Jahre 1521 versuchte der unter spanischer Flagge segelnde portugiesische Seefahrer die Philippinien zu erobern. Auf Cebu wurde er freundlich empfangen, und er nahm Kontakt mit dem dortigen Häuptling Humabon auf. Humabon hatte Schwierigkeiten mit Lapu-Lapu, einen seiner Vasallen. Magellan wollte ihm mit der Kampfkraft der Spanier imponieren und beschloss, nach Mactan zu segeln, einer Cebu vorgelagerten Insel, auf der Lapu-Lapu regierte, um ihn zu unterwerfen.

Dort wurden die Spanier aber schon im knietiefen Wasser angegriffen, so dass sie sich mit ihren schweren Rüstungen kaum bewegen bzw. wehren konnten. Die leicht bekleideten Filipinos griffen die Spanier mit Speeren, Pfeil und Bogen und mit feuergehärteten Stöcken an und besiegten sie entscheidend. Lapu-Lapu soll in dieser Schlacht Magellan mit dem Kampilan, einem speziellen Schwert der Filipinos, erschlagen haben. Lapu-Lapu gilt seither als der erste Großmeister der philippinischen Kampfkunst.

Unter spanischer Besatzung wurde das Arnis-Training verboten. Die Filipinos " verpackten" die geschmeidigen Arnis-Techniken in ihre Volkstänze und konnten so unter den Augen der folklorebegeisterten Spanier ihren Kampfsport weitertrainieren. Über Jahrhunderte wurde Arnis so im Geheimen geübt, Väter gaben die Technik an ihre Söhne weiter.
Erst nach dem 2. Weltkrieg hat Remy Presas die vielen unterschiedlichen Stilelemente zu einem einheitlichen System zusammengefasst, das den Ansprüchen an ein modernes Selbstverteidigungssystem gerecht wird. Der Vater des Modern Arnis, Großmeister Remy Presas, betreute lange den deutschen Arnis Verband ( DAV ) bis er im Jahre 2001 nach plötzlicher Krankheit verstarb.

Heute ist der DAV der größte nichtkommerzielle Verband, der die philippinische Kampfkunst verbreitet. Auf diesen nichtkommerziellen Charakter wird auch großer Wert gelegt. Die Arnissportler sind überwiegend Individualisten und Idealisten, die neben der Selbstverteidigung die Faszination an dieser Kampfkunst vereint.

Welche Aspekte umfasst das Modern Arnis?

"Modern Arnis" nach dem sogenannten Modern Prinzip:
Hier wird der Stock als Stellvertreter für alle arten von stumpfen Hiebwaffen angesehen. Damit tragen die hier verwendeten Konzepte dem Szenario der heutigen Zeit Rechnung, in dem der Umgang mit scharfen Hiebwaffen unwahrscheinlich geworden ist und stellen eine große Bereicherung der Verteidigungsfähigkeit dar. Neben Schlag- und Stoßtechniken für die schnelle und nachhaltige Abwehr eines Angreifers werden auch Entwaffnungstechniken und " sanfte" Mittel wie Stockhebel und - würfe unterrichtet.

"Klassisches" Arnis:
Im klassischen Arnis machen wir quasi einen Sprung in die Vergangenheit und beschäftigen uns mit den verschiedenen historischen und ethnischen Klingenwaffen wie Kurzschwert, Säbel, Kris, Barong oder Kampilan. Dieses Pogramm entstammt jener Zeit in welcher diese Waffen noch zur Selbstverteidigung oder zum Kriegseinsatz verwendet wurden. Besondere Waffenkombinationen und - typen wie Langstock, Langschwert oder Schwert und Schild werden zwar nicht im Pogramm behandelt, können aber aus den einzelnen Waffenkonzepten abgeleitet werden

Espada y Daga:
In diesem Pogramm wird die Kombination Schwert und Dolch bzw. Stock und Messer behandelt. Die längere Waffe trägt die Hauptangriffs- und Verteidigungslast während die kürzere als BackUp für die Vermeidung eines Infights und zur Überforderung der Abwehrfähigkeit des Gegners verwendet wird. Fachleute bezeichnen dieses Konzept als " Konzept der alten Männer", mit welchem alte Arnis/Escrimadores jüngere Leute abfertigen, ohne in Gefahr eines Nahkampfes mit dem körperlich überlegenen Gegner zu kommen.

Waffenloses Arnis:
In anderen Systemen / Stilen " Kadena de Mano - Kette der Hände" genannt, werden bei diesem Aspekt des Arnis die Konzepte und Prinzipien des Waffenkampfes auf die leeren Hände übertragen. Durch leicht erlernbare und logische Verteidigungsmanöver wird der Gegner mit Hilfe des sogenannten " Modern Prinzip " in eine für ihn ungünstige Position gebracht und mittels schneller, fließender Schlag- und Stoßtechniken mit Faust, Handfläche, Finger und Ellenbogen kampfunfähig gemacht oder zur Aufgabe gezwungen. Für die Wahrung der Verhältnismäßigkeit in einer Notwehrsituation stehen alternativ eine überschaubare Anzahl funktioneller Hebel und Wurftechniken zur Verfügung. Kraftkollision werden grundsätzlich vermieden. Die gezielte Attacke vitaler Punkte und die optionale Ausnutzung von Nervendruckpunkten erlauben auch körperlich schwächeren Personen eine erfolgreiche Verteidigung.

Aber nicht nur, wer lernen will, sich wirksam zu verteidigen, kommt beim Arnis auf seine Kosten. Die Faszination dieser Sportart schlägt auch die in den Bann, die mit Straßenkampf eigentlich nichts zu tun haben wollen. Die vielfältigen und eleganten Bewegungen dieses Stils und seine Partnerübungen, die auf ein konkurrenzlosen Miteinander basieren, machen die Übenden nicht nur fit, sondern lassen die einzelne Person auch ihre kämpferische Seite ausleben.


Wie sieht Arnistraining aus?
Nach einem kurzen Warm -Up, die dem vor allem Arm- und Schultermuskeln gedehnt werden, geht es los. Locker mit dem Stock um das Handgelenk wirbeln. Was bei Könnern so elegant und verspielt aussieht, ist für den Anfänger gar nicht so einfach. Doch keine Bange. Erstmal langsam anfangen, die Bewegung verstehen. Nach kurzer Zeit kann man dann richtig loslegen: Wirbel über Kreuz, Doppelwirbel mit einem oder zwei Stöcken sind dann kein Problem mehr. Beim 1 - 1, eine Art kontrolliertem Sparring werden dann Auge und Reflexe geschult. Die übende Person lernt, instinktiv aus Schläge und Stiche mit dem Stock zu reagieren und sie mit der eigenen Waffe abzuwehren. Dann folgen das Kontrollieren des Gegnerischen Stockes und die erste Entwaffnung. Nicht alle Techniken im Modern Arnis sind verbissen auf die Selbstverteidigung gerichtet. Manche gehen eher in die Richtung einer " Bewegungskunst" und sollen der übenden Person ein neues Gefühl von Körperbewusstsein geben. Dennoch wird der kämpferische Aspekt nie aus den Augen verloren.

Die meisten Techniken werden gedrillt. Aber auch hier keinen Schreck bekommen: "Drillen" bedeutet nur, dass der Bewegungsablauf in einer zyklischen Folge immer wiederholt wird, bis er im "Schlaf" sitzt. Das macht Spaß und - puh - strengt ganz schön an. Viele Bewegungsabläufe werden simultan mit zwei Händen - Stöcken - umgesetzt. Dann werden sie oft auch noch gespiegelt oder im Rhythmus versetzt. Höchste Beanspruchung für das Koordinationssystem. Und haben Mediziner nicht herausgefunden, dass geistige Beweglichkeit einhergeht mit der Koordinationsfähigkeit der Arme und Hände?

Hat man eine bestimmte Folge von Techniken und Konzepten ausreichend gelernt, kann man auch Prüfungen ablegen. Dazu gibt es alle 4 - 8 Wochen Regionallehrgänge, bei denen die meisten Arnistas Norddeutschlands zusammen kommen. Der Grad wird, ähnlich wie bei Karate oder Judo, durch einen Gürtel angezeigt. Fünf Schülergraduierungen gibt es: Weiß, gelb, grün , blau und Braun. Dann geht es weiter mit dem Schwarzgurt. Bis man den erreicht hat, vergehen 5 - 6 Jahre.